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Überblick: Balance-Spiele

Anfangs konnte man sich mit dem Wii Balance Board nur fit halten. Die Körperwaage kann aber viel mehr: Neuerdings düst man auch mit Snowboard, Skiern und Tieren über die Pisten. Fröstelnde Gamer schwingen sich hingegen aufs Skateboard, geben beim Traktor-Rennen richtig Gas, surfen über die Erde oder lassen das Tier beim Schlagzeug spielen raus.


Nintendos Goldesel und bekennender Sportfan Shigeru Miyamoto begann erst spät mit dem Wiegen. Mit 50 Jahren betrieb er schon länger Sport, aber erst in diesem Alter schenkte seine Familie dem Mario-Erfinder eine High-Tech-Waage. Fortan zeichnete Miyamoto fleißig Graphen, um sein Gewicht über einen längeren Zeitraum zu visualisieren: Die Idee zu „Wii Fit“ war geboren.

Vom Bad ins Wohnzimmer

Heute stehen Millionen von Spieler/innen auf dem weißen Board und versuchen, die perfekte Balance zu finden. Der Controller wird derzeit nur im Bundle mit dem Heimtrainer „Wii Fit“ verkauft und lange Zeit war es der einzige Titel, der das Board unterstützte.

Bei „Wii Fit“ wählt man aus Yoga-, Muskel- und Aerobic-Übungen oder vergnügt sich mit Balancespielen wie etwa Fußbälle köpfen. Die Übungen werden von einem Personal-Trainer begleitet, der Tipps zur Ausführung gibt. Die Ergebnisse speichert das Spiel in einem Kalender, so dass man die eigene Fitness und Körpermasse (Body-Mass-Index: BMI) immer im Blick hat.

Das Balance Board hat vier Sensor-Zonen, über die es die Körperhaltung des Spielers misst. Die Sensoren sind sehr empfindlich, was sich in einer sehr genauen Bewegungs-Umsetzung äußert.

„Wii Fit“ wurde von der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) mit dem „ohne Alterbeschränkung“-Siegel versehen. Das Balance Board gibt es nur im Bundle mit dem Spiel. Dieses kostet etwa 90 Euro.

Pistensau

Langsam wird das Board auch von Drittherstellern wahrgenommen und es erscheinen erste Spiele, die es unterstützen. In „Wii Fit“ wurde das Fahren auf Skiern und einem Snowboard nur angedeutet. Die Titel „Shaun White Snowboarding: Road Trip“ und „Family Ski“ beschäftigen sich ausführlicher mit diesen Wintersportarten.

Snowboard- und Skateboard-Künstler Shaun White stand Pate für Nintendos Pistenspaß. Anders als in der Xbox-360- und Playstation-3-Version bewegt man sich nicht in einer grafisch pompös inszenierten offenen Welt, viel mehr stellen die Entwickler von Ubisoft die Steuerung mit dem Balance Board in den Vordergrund. Das Spiel sieht für Wii-Verhältnisse dennoch überraschend gut aus.

Das Board wird senkrecht zum Fernseher platziert, die Wii-Fernbedienung braucht man nur für Tricks. Diese werden durch Drücken von A und B und Neigungen auf dem Board ausgelöst. Drückt man während der Fahrt B, fährt man Kurven in einem steilerem Winkel. Durch eine Gewichtsverlagerung nach links und rechts steuert man den Boarder, lehnt man sich nach vorne, fährt man schneller. Das fühlt sich realistisch an, funktioniert meist einwandfrei und macht richtig Spaß.

Man kann auch zu zweit aufs Snowboard springen und die Kampagne bestreiten. Leider kann der der zweite Spieler nicht zu jedem Zeitpunkt ins Spiel dazukommen, man muss die Kampagne explizit im Zwei-Spieler-Modus starten. Schade!

Optik und Spieltitel von „Family Ski“ sprechen eine klare Sprache: Dieser Titel richtet sich an Kinder. Das sollte aber nicht abschrecken. Denn hinter dem vermeintlichen Spiel für die ganze Familie versteckt sich ein ernstzunehmendes Ski-Spiel, was vor allem durch das Balance Board einiges an Spieltiefe gewinnt.

Nach einer Fahrt im Ski-Lift, auf Wunsch auch in Echtzeit, steht man auf dem großen Berg und kann sich gleich ins Ski-Getümmel stürzen. Auf dem Board stehend holt man mit Wii-Fernbedienung und Nunchuk, diese dienen nämlich als Skistöcke, Schwung. Schon nach wenigen Minuten prescht man über die Pisten, vollführt stylische Tricks durch Handbewegungen und wühlt Schnee auf, wenn man enge Kurven fährt. Die Steuerung fühlt sich dabei sehr angenehm an. Leider ist der Schwierigkeitsgrad sehr gering und das Spiel schnell durchgespielt.

Obwohl im Mehrspielermodus bis zu vier Spieler auf Abfahrt gehen können, enttäuscht dieser: die Balance-Board-Steuerung bleibt dem Einspielermodus vorbehalten.

Beide Titel bieten einiges an Spielspaß, vor allem wegen der Art der Steuerung. Nicht-Besitzer des Balance Boards können auch mit Fernbedienung und Nunchuk los preschen, ein Großteil des Spiel-Witzes geht dann aber verloren.

Die USK hat „Shaun White Snowboarding: Road Trip“ für Kinder für Kinder ab sechs Jahren vorgesehen und es kostet etwa 50 Euro. „Family Ski“ ist von der USK mit dem „ohne Alterbeschränkung“-Siegel eingestuft worden und kostet auch etwa 50 Euro.


Bum, bum, tschack

Die Musikinstrumenten-Simulation „Wii Music“ wurde von der Fachpresse eher durchschnittlich bewertet. Diese machte aber oft den Fehler, das Spiel in direkte Konkurrenz zu „Guitar Hero“ und Co. zu stellen. Diese Musikspiele fordern vor allem Fingerfertigleit und eine schnelle Auffassungsgabe. Bei Wii Musik geht es eher um Taktgefühl und den Spaß an der Musik. Klar, die Liederauswahl bei „Wii Music“ ist dürftig und die meisten Instrumente klingen schrottig. Sitzt man aber mit Freunden vor der Konsole, die über ein gutes Taktgefühl verfügen, kann es viel Spaß machen. Man sollte auch nicht vergessen, dass sich der Titel in erster Linie an Familien mit Kindern richtet und Kinder können sehr wohl Taktgefühl und Rhythmus über das Spiel erlernen und verfestigen.
Für Rhythmus-Profis ist hingegen der Schlagzeug-Modus des Spiels, der das Balance Board unterstützt, interessant. In einer umfangreichen Einführung wird man langsam an das Instrument herangeführt. Wer weiß, was es bedeutet, beide Hände und auch noch die Füße getrennt voneinander zu koordinieren, wird die Lernstunden zu schätzen wissen.

Über das Board spielt man mit dem rechten Fuß die Bassdrum und mit dem linken öffnet und schließt man die Hihat. Fernbedienung und Nunchuk lassen Snare, Hihat, Becken und Toms erzittern. Leider werden die einzelnen Trommeln nicht durch die Lage der Fernbedienung im Raum angesprochen, was intuitiv am logischten wäre, sondern man muss für jede Trommel eine Taste am Controller gedrückt halten. Hat man sich erstmal daran gewöhnt und sich eingespielt, kann man aber durchaus in einen wahren Trommel-Rausch verfallen. Die Ansprechzeit des Boards ist einwandfrei, so kämpft man mit keinerlei Latenz, was sich sehr natürlich anfühlt.

„Wii Music“ hat das „ohne Alterbeschränkung“-Siegel von der USK erhalten und kostet etwa 50 Euro.

Bwaaaaaahhhh!

Jump-n-Run-Held „Rayman“ wird seit der Anfangszeit der Wii immer wieder von verrückten Hasen gefangen genommen und muss skurrile Mini-Spiele zu deren Belustigung absolvieren. Im dritten Teil „Rayman Raving Rabbids TV Party“ verschlägt es die durchgeknallten Hasen ins Fernsehen. Einige Mini-Spiele unterstüzen auch das Balance Board.

Dem durchgeknallten Stil der Serie treu, steuert man so etwa einen Traktor und muss als erster die Ziellinie überqueren. Die Fernbedienung dient dabei als Lenkrad, mit dem rechten Fuß gibt man Gas, mit dem linken bremst man. Das fühlt sich super an und funktioniert auch wesentlich genauer, als die Steuerung mit Fernbedienung und Nunchuk.

Noch verrückter mutet die Schlittenabfahrt an. Dafür setzt man sich auf das Board, um das Ganze dann mit dem Allerwertesten zu lenken. Man fährt aber nicht auf einem Schlitten, sondern auf einem Gnu, dem man auch richtig die Sporen geben kann.

„Rayman Raving Rabbids TV Party“ ist laut USK für Kinder ab 6 Jahre geeignet und kostet etwa 50 Euro.


Ollie, Kickflip, Autsch!

Kaum kündigte Nintendo das Balance Board an, wünschten sich viele ein Skate-Spiel herbei. Hier ist es! „Skate it“ ist die Umsetzung der erfolgreichen Skate-Simulation für Xbox 360 und Playstation 3. Anders als beim Genre-Konkurrenten „Tony Hawk“ geht es hier nicht darum unrealistisch lange Combo-Ketten zu vollführen, vielmehr simuliert es das Skaten an sich.

Das Board ist in mehrere Trick-Zonen eingeteilt, durch drücken das A-Knopfes auf der Fernbedienung holt man Schwung. Fährt man nun und tritt mit dem Fuß auf den hinteren Teil, macht man einen Ollie. Tippt man während eines Sprunges die Seiten des Boards an, führt man Kickflips aus. Das Spielgefühl bei den Tricks ist super. Leider ist die links-rechts Steuerung sehr gewöhnungsbedürftig. So schlingert man oft wie ein Betrunkener durch die Spots und verzweifelt schon an der Anfahrt zu einer Rampe. Mit etwas Übung bekommt man das aber einigermaßen in den Griff und das Spiel entfaltet durch das Board sein volles Potential. Die Steuerungsvarianten mit Fernbedienung und Nunchuk könnnen hingegen gar nicht überzeugen, da gerade bei der Ausführung von Tricks eine hohe Latenz zwischen dem Bewegen der Fernbedienung und der Ausführung auf dem Bildschirm liegt.

Laut USK ist „Skate it“ für Kinder ab 12 Jahren geeignet. Es kostet etwa 50 Euro.

Über die Erde surfen

Der Software-Entwickler David Philip Oster stellte auf der diesjährigen Macworld seine Anwendung „Earth Surfer“ für Google Earth vor. Da das Balance Board sich über Bluetooth mit der Wii-Konsole verbindet, kann man es mit einem geeigneten Treiber auch an einem Computer betreiben. In seiner Anwendung düst man durch Gewichtsverlagerung mit einem Milchtruck über die virtuelle Google-Erde. „Earth Surfer“ wurde komplett auf Open-Source-Basis entwickelt und soll Andere animieren, eigene Anwendungen zu entwickeln. Das sei gar nicht so schwer, meint zumindest Oster.

„Earth Surfer“ ist mittlerweile veröffentlicht, kann aber derzeit nur am Mac genutzt werden.

Runter vom Sofa …

… rauf aufs Board. Die vorgestellten Spiele nutzen das Board auf realistische aber auch spaßige Weise. Das Potential der Hardware wird gut ausgereizt. Mal schauen, was die Zukunft noch bringt. Eventuell ein Surf- oder Motorad-Rennspiel welches das Bremse-Gas-Spiel aus dem dritten Rayman-Teil noch ausbaut?

Bilder-Quellen: Nintendo Presse-Server


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2 Kommentare

  1. Jens Peters schrieb:

    Nicht zu vergessen wären da auch die Geschicklichkeitsspiele
    Tetris Party,The Incredible Maze, ständig erscheinen auch weitere Spiele die das Balanceboard unterstützen, jedoch sollte man beachten das dies meist eingeschränkt umgesetzt wurde, wie z.B. in Tetris Party, das Spiel selbst ist sehr Umfangreich, aber das Balance Board wird nur in nem Extra Mod benötigt, welcher dem Anfängermodus ähnelt.

    Samstag, 31. Januar 2009 um 15:40 | Permalink
  2. Stefan schrieb:

    Danke für die tolle Zusammenstellung, freu mich auf Skate.it, wenn das Wii Fit ausgereizt ist :)

    Dienstag, 21. April 2009 um 09:58 | Permalink

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