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Bericht/E3 2009: Läutet Microsoft das jüngste Gericht ein?

Auf der Videospielmesse E3 in Los Angeles stellte Microsoft neben den üblichen Neuerscheinungen von Renn- und Actionspielen eine Technik vor, die nicht nur unsere Wohnzimmer revolutionieren könnte. “Project Natal” erlaubt Spielsteuerung mit Körper und Stimme und ein kleiner Junge zeigt die ganze Macht des Projektes auf.


Science-Fiction-Filme setzen sich oft mit Zukunftsängsten auseinander. Im Terminator-Universum sind das etwa Maschinen, die die Welt übernehmen. Das Skynet-Netzwerk, eine hochentwickelte, künstliche Intelligenz, formt seinen eigenen Willen und stellt sich gegen seine Erschaffer, die Menschheit. Das alles beginnt ganz harmlos mit einem extrem intelligenten Schachcomputer, aus dem sich dann das Skynet-Netzwerk entwickelt.

Microsoft stellt nun das „Project Natal“ für die Xbox 360 vor, das eine neue Ära der Interaktion zwischen Mensch und Maschine einläuten soll. Der Computer macht damit einen großen Schritt hin zum gleichberechtigten Gesprächspartner, der irgendwann vielleicht seinen eigenen Willen haben kann.

Körpereinsatz

Bei “Project Natal” handelt es sich um eine Kamera mit einem integrierten Raummikrofon, das verschiedene Stimmen unterscheiden kann. Die Kamera kann den menschlichen Körper dreidimensional im Raum erfassen, aber auch Objekte wie etwa ein Skateboard einscannen und im Spiel erscheinen lassen. Bei der gestrigen Präsentation auf der E3 zeigte Microsoft ein Ballspiel, das man durch Bewegungen mit dem ganzen Körper steuert. Der Spieler wird zur Orientierung als Silhouette in das Spiel projiziert. Die Kamera erkennt nicht nur wo sich der Spieler befindet sondern auch, wie fest er die Bälle wegschlägt. Dafür ist ein Sensor verantwortlich, der die Konsole mit den dafür nötigen Tiefeninformationen versorgt.

In einer weiteren Technologie-Demo wurde durch Bewegungen ein expressionistisches Bild einer afrikanischen Steppe gezeichnet. Nachdem der Grund nebst Palme und Wolken fertig war, formten zwei Personen mit ihren Körpern die Silhouette eines Elefanten, die die Kamera dann in das Bild einfügte. Die verschiedenen Farben und Befehle wurden dabei per Sprache ausgewählt.

Durch die Menüs der Xbox 360 hangelt man sich in Zukunft durch Gesten, ähnlich wie im Hollywood-Film “Minority Report”.

Der Star der Präsentation war aber ein Junge namens Milo.

Möglichkeiten, die Angst machen

Peter Molyneux von den Lionhead Studios steht seit jeher für innovative Spiele, etwa der Gottsimulation “Black and White”, die den Videospielesektor um viele Facetten bereichert haben. Sein Team hatte die Möglichkeit, sich einige Monate mit “Project Natal” auszutoben. Heraus kam ein kleiner Junge namens Milo.

In der Präsentation auf der E3 bewegt sich der Stepke in einer idyllischen Landschaft und präsentierte sich als künstliche Intelligenz, die auf den Nutzer eingeht und über “Project Natal” auf noch nie dagewesene Weise mit ihm interagiert.

Dafür verfügt die Kamera über eine Gesichtserkennung. Milo erkennt so Personen und soll sogar aufgrund deren Verhalten ihren Gemütszustand einschätzen können. So wird die Frau, die durch die Präsentation führt, von Milo begrüßt und er erkundigt sich nach ihrem Befinden. Während der Präsentation wird er nach seinen Hausaufgaben gefragt und wendet sich beschämt ab, da er diese anscheinend noch nicht erledigt hat. So entsteht ein Dialog und Milo mutet (fast) wie eine echte Person an. Das Ganze wirkt absolut natürlich, aber da man sich auf realistische Weise mit einem virtuellen Gegenüber unterhält auch gleichermaßen unheimlich.

Im Laufe der Interaktion will Milo angeln und wirft der Frau eine Taucherbrille zu, die diese mit einer intuitiven Fangbewegung vor dem Fernseher auffängt. In einer weiteren Szene zeigt die Kamera einen See von oben inklusive der Wasserreflektion der Person, die vor dem Bildschirm steht. Mit Handbewegungen wirbelt die Frau das Wasser auf und Milo fordert sie auf, einen Fisch zu greifen.

In einer weiteren Szene zeichnet die Frau etwas auf ein Stück Papier und hält es vor die Kamera, die auf dem Fernseher steht. Milo greift nach oben und schwups, das Papier wandert von der Realität in Milos virtuelle Welt. Nach Peter Molynuex entsteht durch “Project Natal” eine nie da gewesene Verbindung zwischen Realität und Virtualität. Die Grenzen verschwimmen – moralische und ethische Diskussionen sind vorprogrammiert.

Die totale Immersion. Was bringt die Zukunft?

Man stelle sich nur die Möglichkeiten der Hardware im Zusammenspiel mit einer künstlichen Intelligenz vor. Erstmals könnten echte Dialoge zwischen Mensch und Maschine entstehen. Soweit jeweils die Fiktion von Peter Molyneux und Microsoft. Ein Termin für die Hardware gibt es noch nicht, sie soll aber mit allen Xbox-360-Versionen kompatibel sein. Ausgewählte Journalisten können sich hinter verschlossenen Türen auf der E3 in Los Angeles ein Bild von der Technik machen.

Spinnt man die Idee weiter, könnten in Zukunft etwa Roboter mit der Technik ausgestattet werden und intuitiv auf ihre Umgebung reagieren. Und irgendwann könnte die Intelligenz soweit sein, dass sie das Gesehene und Erlebte verarbeitet und eigene Schlüsse daraus zieht. Das kann wiederum zur Selbsterkenntnis und dem Wunsch nach Freiheit führen. Im Terminator-Universum nennt sich das “Die Rebellion der Maschinen”: Der Tag des jüngsten Gerichtes. In dieser fiktiven Zukunft könnte dann ein Satz der Rebellen lauten: “Erinnerst du dich? Damals, dieser kleine Jungen namens Milo auf der Xbox 360 …”

Bild-Quelle: E3-Präsentationsvideo

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2 Kommentare

  1. Meutecee schrieb:

    Ich wünsche mir schon seit meinen Jugendtagen solch eine Interaktive Schnittstelle zu Computern. Peter Molyneux, der die Projekt Natal Präsentation im Video vorstellt, ist zwar berüchtigt dafür immer etwas zu blumig daherzureden aber diese Form von Interaktion mit einer Maschine ist der Weg der Zukunft für mich.

    Mittwoch, 3. Juni 2009 um 19:55 | Permalink
  2. Diablo schrieb:

    Wenn es wirklich so gut funktioniert, wie sie es im Video zeigen, dann bin ich echt beeindruckt :P

    Samstag, 6. Juni 2009 um 15:54 | Permalink

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