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Review/Call of Juarez: Bound in Blood: Sechs Fäuste für ein Halleluja

Zwei harte Brocken und ein Weichei. So kann man die drei Brüder im Wild-West-Shooter „Call of Juarez: Bound in Blood“ beschreiben. Das Setting wirkt neben den immergleichen Weltkriegsshootern frisch, wurde toll umgesetzt und spielt sich abwechslungsreich. Leider wird die facettenreiche Story lieblos präsentiert.

Nach dem sympathischen Anti-Helden Reverend Ray aus dem ersten „Call of Juarez“ begleitet man nun die McCall-Brüder auf ihrer Fahnenflucht durch den Wilden Westen. Der Titel spielt 20 Jahre vor dem ersten Teil und bietet etwa mit Bogenschießen und Lasso-Einlagen viel, was man von einem Wild-West-Spiel erwartet.

Stoppelig und ungeduscht

Zwei der drei Brüder spielt man, der dritte erzählt die Geschichte. Zusammen wollen sie die Farm ihrer Familie wieder aufbauen und machen sich dafür auf die Suche nach dem legendären Gold von Juarez. Dabei schlagen sie eine blutige Schneise durch den Wilden Westen und kämpfen gegen die Armee ihres ehemaligen Kommandanten und einige Indianer. Im Laufe des Abenteuers schließen sie sich mit dem mexikanischen Banditen-Führer Juan zusammen. Dessen Frau Marisa hat wertvolle Informationen über den Schatz und verdreht beiden Brüdern den Kopf – Konflikte sind also vorprogrammiert.

Typsich für einen 3D-Shooter läuft man von einer Position zu nächsten und macht alle Feinde platt. Gut, dass die Story nicht platt ist und das Ganze in ein glaubhaftes und motivierendes Setting bettet.

Brachial oder weniger brachial

Am Anfang der meisten Abschnitte wählt man den Bruder aus, mit dem man spielen möchte. Ray ist dabei der rabiatere der beiden und setzt auf Sprengstoff und Shotguns. Auch hält er mehr feindliche Treffer aus als sein Bruder Thomas. Dieser setzt hingegen auf Sniper-Gewehre, Pfeil und Bogen und kann mit seinem Lasso höhere Ebenen erreichen. Diese Komponente hebt „Call of Juarez: Bound in Blood“ positiv von der Standard 3D-Shooter-Mechanik ab und drängt dem Spiel geradezu einen Koop-Modus auf, leider haben die Entwickler keinen integriert. Schade! Für weitere Abwechslung sorgen einige Abschnitte, in denen man Zwischenmissionen erledigen kann.

Während der Schatzsuche ballert man nicht nur mit Pistolen und Gewehren um sich, ab und an nimmt man auch hinter einer Gatling Gun oder Kanone Platz und fegt die Feinde von Booten und Pferden.

Wilder Westen in Zeitlupe

Tote Feinde hinterlassen Munition und manchmal auch Geld, für das man neue Waffen kaufen kann. Sie füllen auch den Konzentrationsmodus auf, der das Spiel für ein paar Sekunden in Zeitlupe versetzt. Mit Ray markiert man dann bequem die Feinde, die dieser dann flugs erschießt und Thomas schießt auf Knopfdruck alle Gegner in seinem Sichtfeld nieder. In manchen Situationen positionieren sich beide Brüder vor einer Tür und stürmen das Gebäude in Zeitlupe. Dabei fahren zwei Fadenkreuze über den Bildschirm, bei Feindkontakt reicht es dann einen Knopf zu drücken.

Spezielle Gegner schaltet man im Duell-Modus aus. Mit dem linken Stick bewegt man sich um seinen Gegner herum und mit dem rechten zieht man beim Läuten einer Glocke die Pistole. Das spielt sich manchmal etwas hakelig, ist aber toll inszeniert.

Echte Western-Atmo

Die Grafik bewegt sich meist auf hohem Niveau. Die Landschaften wie Canyons, Wüsten und Wälder werden mit der Chrome-Engine 4 sehr hübsch und detailliert dargestellt. Die Entwickler von Techland verbreiten nicht nur mit der Story Filmatmosphäre, auch Schattenspiele, auch wenn diese oft flackern, und vor allem der toll eingesetzte Tiefenschärfe-Effekt sorgen für echtes Film-Feeling. Häufig auftauchende Pop-ups stören aber das Gesamtbild.

So gut die Story auch ist, leider sehen die Charaktere in den Zwischensequenzen nicht so toll aus. Die Gesichtsanimationen sind schlicht hässlich und sie sprechen nicht lippensynchron. Was auch nervt: Anscheinden haben die Entwickler nur eine Handvoll Gesichter für die Feinde modelliert, es tauchen also immer dieselben auf.

Die Musik passt hervorragend zum Western-Ambiente. Die deutsche Synchronisation kann nicht überzeugen, oft klingen die Dialoge lustlos. Die Sticheleien zwischen den Brüdern bringen etwas Humor in das Spiel.

Leider gibt es ja keinen Koop-Modus, aber immerhin kann man sich in fünf Modi auf sieben Maps online austoben. Man wählt aus 13 Charakter-Klassen aus und kann die Figur gegen Geld, was man in Online-Spielen gewinnt, aufleveln. Am spaßigsten ist der „Wild West Legends“-Modus, in dem ein Team etwa etwas zerstören muss und das andere Team sie daran hindern muss.

Call of Juarez: Bound in Blood“ ist ein gradliniger 3D-Shooter mit toller Inszenierung, die aber in den Zwischensequenzen an Qualität verliert und der an sich tollen Story etwas den Wind aus den Segeln nimmt. Es ist auf jeden Fall ein würdiger Nachfolger, ein bisschen mehr Abwechslung hätte aber auch nicht geschadet.

Das Spiel erscheint für Xbox 360, Playstation 3 und den PC. Um flüssig spielen zu können, sollte man einen Dual-Core-Prozessor, eine Geforce GTX 260, respektive Radeon HD 4850 und 2 GByte Ram im Rechner verbaut haben. Die USK hat dem Titel das „ab 18“-Siegel verpasst. Für die Konsolen kostet es etwa 65 Euro und für den PC etwa 45.

Bilder-Quelle: Ubisoft Presse-Server


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